by Signora Leta » 07 Feb 2012, 23:35
Mei war ... berührt von dieser besonderen Form der Aufmerksamkeit. Sie zeigte keinerlei Angst oder Berührungsscheu, als sie ihre Hand anhob und in Robins legte. Aber dann, als die Hände sich berührten, vermochte das Kainskind dennoch das Gefühl von Anspannung zu bemerken, welches sich im Körper der jungen Frau ausbreitete und jede Pore, jeden noch so kleinen Nerv für sich in Besitz nahm. Ein Kribbeln, leichte Erregung, Vorsicht, Skepsis, das Wissen, das so vieles nur Schein war ... all dies und noch viel mehr griff nach der Chinesin und tat doch der Tatsache, dass sie sich dieser für jemanden von ihrem mehr als geringen Status überaus ungewöhnlichen Behandlung ergab, keinen Abbruch. Sie lächelte. Und flehte innerlich nur um eine einzige Sekunde des Zurücksehen-Dürfens, über die Schulter, zu ihrer Schwester ... es hätte für sie die Welt bedeutet, den Hass in den schwarzen Augen sehen zu dürfen, den Neid, die Missgunst, die Gier, an Meis Stelle zu sein.
Stattdessen senkte sie den Boden, deutete im Zuge des Handkusses sogar einen altmodisch-anmutigen Knicks an und spielte das Spiel der Verlegenen schlicht perfekt. Vielleicht, weil sie es tatsächlich war. Erst einige Momente später sah sie Robin dann wieder an, niemals zu direkt und dennoch dem Neugeborenen die nötige Aufmerksamkeit schenkend.
"Es ist mir eine Ehre und Freude, Sie heute Abend persönlich begrüssen zu dürfen, Fräulein Monditi."
Als der richtige Zeitpunkt dafür gekommen war, zog Mei ihre Hand sachte wieder zurück und deutete dann mit einer einladenden Geste zum Villeneingang.
"Fräulein Monditi, erlauben Sie mir, Sie auf eine kleine Eigenheit chinesischer Namen aufmerksam zu machen? Es ist so, dass wir unseren Nachnamen und nicht unsere Vornamen voranstellen ... daher habe ich mich Ihnen gewohnheitsgemäss mit Li Mei vorgestellt. Es tut mir Leid, wenn ich damit für Verwirrung gesorgt habe."
Wenn Robin sich in Bewegung setzte, dann tat Mei dies auch. Stets wirkte es so, als würde das Neugeborene führen, obschon eben die Chinesin den Weg vorgab, welchen sie beschritten. Nun, hier draussen war dies sicherlich noch keine Überraschung, in einem fremden Haus jedoch, in dem man sich nicht auskannte, war dieses kleine Detail durchaus nicht ganz so einfach, wie man denken mochte.
Im Inneren angelangt erhielt Robin die Möglichkeit, Garderobe abzulegen. Ein eigens dafür abgestellter Ghul würde jene noch in der Eingangshalle entgegen nehmen und im Garderobenraum verwahren. Mei indes führte Robin in einen kleinen Salon, in welchem es Sitzmöglichkeiten und ein hohes Fenster mit Blick in den Garten gab. Alles in dieser Villa hatte seinen Platz, die Einrichtung war kostbar und stilvoll zugleich, in keinster Weise überladen und dennoch sehr edel … altmodisch zugleich, moderne Elemente würde man hier vergeblich suchen. Eine weibliche Hand hatte hier eindeutig für die ganz eigene Note gesorgt, wessen Hand es tatsächlich war, war alles andere als ein Rätsel. Als sie den Salon betreten hatten, schloss Mei die Tür hinter sich, Robin hatte sie selbstverständlich den Vortritt gelassen. Auch würde sie es dem Neugeborenen überlassen, wie es sich in dem Raum bewegen oder aufhalten wollte ... und ob es das Gespräch, vor allen Dingen die offenen Fragen thematisieren wollte. Deswegen war es doch immerhin bereits eine halbe Stunde früher da.
Better to live as king of beasts
Than as a lamb scared and weak