Cathedral of Saint John the Divine - Elysium

Nur eine Kirche…

„Es sind immer die ersten Schritte, die den Eindruck prägen. Vielleicht ist es Neugier, die einen Kainiten an einen Ort wie diesen bringt. Vielleicht auch eine Art von schwarzem Humor. Eine Kirche. Gleich, ob man im sterblichen Leben an einen Gott, gleich ob es der christliche war oder ein anderer, glaubte oder ob man sich bewußt distanzierte, vielleicht auch nur einfach nicht in der Lage war zu glauben, im Tode kommt man doch nicht umhin sich Gedanken zu machen. Kainskinder. Vielleicht mag man darüber nicht nachdenken, vielleicht will man es auch nicht. Aber dennoch... gewissen Gedanken kann man sich gerade beim Anblick einer Kirche nicht entziehen. Was also denkt und fühlt man, wenn man diese Kirche betritt...?"




Es gibt nur wenige Kirchen, die solch ein Ausmaß vorweisen und dabei zugleich so jung sind. Die „Cathedral Chruch of Saint John the Divine“ sollte eigentlich in einem byzantischen, romanischem Stil erbaut werden, so zumindest war es bei der Grundsteinlegung noch angedacht worden. Ob es wirklich sterbliche Hand war oder eher nur die Vorliebe einer jener, die hinter dem Offensichtlichen stehen, die eine Abänderung dieser Pläne bewirkt hatte, sei dahingestellt. Doch wenn man ein gewisses Bild und Erwartungen erfüllen wollte, so paßte der dann ins neugotische abgewandelte Baustil viel mehr ins Bild der Unsterblichen. Düster, ein wenig romantisch, zumindest aus der heutigen Sicht und vor allem aber mit den hoch zum Himmel ragenden Spitzbögen viel mehr als das romanische an Gott und die Ewigkeit gemahnend.

Im Jahr 1892 wurde der erste Stein gelegt, die Änderung des Baustils vollzog sich dann ungefähr 20 Jahre später. Mit dem Bau einer Kathedrale verhält es sich vielleicht ein wenig wie mit der kainitischen Existenz. Sie bedarf der Jahrhunderte, um zur Vollendung zu kommen und selbst wenn der letzte Stein gelegt worden ist, bedarf sie wieder der Veränderung, um niemals im Stillstand dem Zerfall ausgesetzt zu werden.




Ihre Lage ist mitten in New York, in der Upper West Side, genauer gesagt an der Amsterdam Avenue hin zur Ecke der 112. Straße. Das Viertel dort trägt den lyrischen Namen Morningside Heights. Alleine die Grundfläche dieser Kathedrale beträgt 11.240m2 und die Länge mit über 183m klingt alleine in der Vorstellung überschaubar, doch steht man in dieser, raubt es einem den Atem und ein Mensch fühlt sich hier mit seiner eigenen Sterblichkeit nur zu deutlich konfrontiert.


Die Kirche ist leider immer noch nicht vollkommen fertig gestellt. Sie stellt bisher die drittgrößte Kirche der Welt dar, dabei ist das Ziel, was ihr gesteckt worden ist, die Größte der Welt zu sein, wenn sie einmal fertig gestellt worden ist. Immer wieder ruht die Arbeit hier für Jahre bis Jahrzehnte. Der Grund hierfür ist so profan und einfach, es ist das Geld, das immer wieder fehlt. Selbst nur das Instandhalten solch eines Gebäudes verschlingt Unsummen und die Erweiterungen scheinen kaum finanzierbar zu sein. Zuletzt waren die Bauarbeiten im Jahre 1999 eingestellt worden und ruhten für fast drei Jahrzehnte. Erst dann fanden sich Geschäftsleute und auch einige anonyme Spender, die in einer gemeinsamen Aktion dafür gesorgt hatten, dass die Arbeiten wieder weiter geführt werden konnten. Ein Teil der Gelder wurde nicht sofort in diese Baustelle gesteckt, sondern längerfristig angelegt und verwaltet. So lobenswert es für den Glauben auch sein mag voller Idealismus sich den Bau der größten Kirche der Welt zu setzen, der Weg dahin ist sehr lang und ohne eine Spur von gesundem Menschenverstand und Pragmatismus nicht einmal im Ansatz durchführbar

Der heilige Grund jenseits des Glaubens…

So schön war der Schein nach außen hin. Soviele Menschen, die ihre Energien und ihr Geld diesem hehren Ziel, dem Kirchenbau, zu opfern bereit waren. Dabei lagen die waren Gründe für den Weitergang der Bauarbeiten weit jenseits dieser äußerlichen und sterblichen Fassade. Im Vergleich mit einigen Wesen in dieser Stadt war die Kirche alles andere als alt und eben an diesen lag es auch, daß solch ein Vorhaben wieder durchführbar wurde. Vielleicht auch einfach nur weitergeführt, denn die früheren Katastrophen und das Chaos waren wieder gerichtet worden und es gab keinen Grund mehr dieses eine Objekt weiterhin zu vernachlässigen.

Einer der erst kürzlich fertig gestellten Bereiche der Kirche stellte deren linker Seitenflügel dar. In diesem wurde alles nur für einen bestimmten Sinn und Zweck geschaffen. Es war sicherlich ein Teil der Kirche, im Aufbau und der Architektur untrennbar mit dieser verbunden. Doch war hier weit mehr in Betracht gezogen worden als nur die Beherbergung sterblicher Gläubiger. Es sollte ein heiliger Grund und Boden auch für die Kainiten darstellen, auf dem Fundament eines Elysiums.

Einzig die Mitglieder der Domäne New York erhalten den Zugang zu dieser Kirche. Die dafür notwendigen Informationen, was das Protokoll anbelangte und die eigenen Verhaltensweisen, wurden einem durch den Ersten des Blutes im eigenen Clan mitgeteilt. Es war nur ein Detail, aber eben durch dieses wurde die Struktur und die geltende Hierarchie wieder ein wenig mehr gefestigt. Jede Information, jeder Gefallen, alles bedarf einer Erwiderung eines Tages. Auch beim eigenen Blut… gerade beim eigenen Blut…


Der Zutritt hinter die Kulissen…

Es zwei Möglichkeiten das Elysium zu betreten. Zum einen kann man das Elysium über einen der zahlreichen Seiteneingänge betreten, der über ein seperates "Treppenhaus" auf direktem Wege in die heiligen Hallen führt. Es waren nur winzige, enge Gänge aus hellem Sandstein. Sehr schmucklos und schlicht gehalten. Nur wenn es tatsächlich kleinere Treppen gab, die man nehmen mußte, zeigten diese durch ihre schneckenförmige Führung eine ganz eigene Eleganz. In diesen Gängen wollte man allerdings wohl niemals gefangen sein. 

Zum anderen war im Rahmen der Bauarbeiten unterhalb des Gebäudekomplexes eine Tiefgarage errichtet worden, in welcher es ebenfalls einen abgetrennten Bereich gibt. Diese ist ebenfalls nur exklusiv für die Mitglieder der Domäne nutzbar. Von diesem Bereich aus gibt es die Möglichkeit, mit einem Fahrstuhl nach oben in die Räumlichkeiten des Elysium zu gelangen. Eines der wenigen Details der modernen Technik, die man überhaupt zu sehen bekam.


Das Protokoll zur Sicherheit:

Seiteneingang:

Um die Türe zu öffnen, benötigt man eine Codekarte und Pinnummer. Nach dem man eingetreten ist findet man sich in einem kleinen Foyer wieder [3 x 3m], von dem zwei Türen, jeweils zu einer anderen Seite. Nach einem kurzen Moment wird im Normalfall die linke Tür sich für einen öffnen. Diese führt zu einem der besagten unangenehm engen und sich langziehenden Gänge, der erneut an eine Türe münden wird. Sobald man den Gang betreten hat, schließt sich die Türe hinter einem. Es dauert ein paar Augenblicke, bevor sich die Türe am Ende des Durchgangs öffnet und den Weg zum "Treppenhaus" frei gibt. Dieses führt über 4 Etagen direkt zum Eingangsbereich des Elysiums. Auf dem Weg dorthin gibt es keinerlei sichtbare Fenster, Türen oder andere Durchgänge.

Tiefgarage:

Auch hier sind Codekarte und Pin Grundvoraussetzung, um in die abgetrennten Bereiche der Garagenanlage erreichen zu können. Es gibt nur einen einzigen Eingang, nicht mehr. Die Abläufe hier gleichem jenen, welche man vom Eintritt durch den Seiteneingang schon kennt. Bis auf den Unterschied, das man nach dem Verlassen des Ganges sich nicht in einem Treppenhaus wiederfindet, sondern dieser zu einem Fahrstuhl führt. Dieser bringt einem auf dem direkten Weg nach oben, zum Eingangsbereich des Elysiums. Im Gegensatz zu den engen Gängen und Treppenschluchten, wirkt dieser mit seinem Innenraum für mindestens ein Dutzend Personen angenehm weiträumig und großzügig.

Der Eintritt…

„Es ist ein großes Tor, bestehend aus einer Flügeltür aus zwei Teilen, vor dem man zum Halten kommt. Das Holz ist dunkel, es wirkt schon fast schwarz und bildet dadurch einen starken Kontrast zu dem Stein um einen herum. Vielleicht mag dieser in den kommenden Jahrhunderten ebenfalls sich verdunkeln und so den Kontrast mäßigen, aber noch ist diese Kirche jung an Jahren. Doch das Holz dieses Tores scheint wesentlich älter zu sein. Schnitzereien überziehen sie auf der gesamten Fläche und erzählen von tragischen und finsteren, von rettenden und wundersamen Momenten, die sich sonst in Wort und Schrift gefaßt der Bibel entnehmen lassen. Es mag einem aufmerksamen Betrachter, der sich in dem Buch der Bücher auskennt, bei sorgsamer Betrachtung auffallen, daß hier jedoch nur scheinbar eben dieses wiedergegeben wird. Vielmehr waren all die Aspekte hier dargestellt worden, die niemals in einem Buch für Sterbliche zu finden sein würden. Ein wenig von der Wahrheit, könnte man sagen. Doch im Grunde ändert jeder die Geschichte nach seiner Sicht und seinem Gutdünken. Auch die Unsterblichen taten es.“

Über diesem Tor befand sich die Statue eines Engels. Die Schwingen waren weit ausgebreitet worden und er schien gerade im Flug sich zu befinden, nach oben hin, der Blick war in die Ferne gerichtet. Das Gesicht war wunderschön. Aber eben in dieser Schönheit lag auch unverkennbar eine Kälte die jenseits allen Mitgefühls lag. In der einen Hand war ein Schwert, es war gezogen und zeigte in die Richtung, in welcher der Engel seinen Flug zu richten schien. Der Tod und die Strafe, in ihrer eigenen Form…"

Nachdem man das Treppenhaus oder den Fahrstuhl verlassen hatte, erreichte man den Eingangsbereich mit dem großen Tor. Er war auf einer Grundfläche von fünfmal fünf Metern gehalten worden, so daß zu beiden Seiten des Tores Wächtern ihren Platz einnehmen konnte. Stumm und abwartend, ruhig und beobachtend…

Tritt ein….

"Im zentralen Raum befindet sich nichts weiter. Vielleicht würden man auch hier mehr erwarten, hölzerne Bankreihen, doch es wird nichts geben außer der weiten Leere des Raumes. Denn gerade diese Leere wirkt soviel größer, soviel voller... intensiver... Doch wird der ganze Raum umgeben von einem steinerndem Bogengang. Immer zwischen den einzelnen Bögen sind die Nischen für die Statuen gesetzt. Die Wölbung des Gestein in den Bögen wirft die Geräusche, die Laute, anders zurück als hier im zentralen Bereich, so daß man dort in der Lage sein wird Unterhaltungen zu führen ohne das gleich die Stimme zigfach verstärkt und zurück geworfen wird. Einzig der dunkle Altar, welcher im Norden thront, wie die zahlreichen Staturen, welche überall im Kirchenschiff verteilt ihr Unwesen treiben, werden einen niemals das Gefühl der Einsamkeit gewähren..

Besonders wird der Zauber an diesem Ort aber immer zu bestimmten Nächten sein, wenn der Mond voll am Himmel steht. So daß sein Licht durch die Fenster zu scheinen vermag. Ein kühles, bläuliches Licht, so anders als das der Sonne. Dennoch wird es die Bilder in den Fenstern zum Leben erwecken. Mosaike aus buntem Glas, die durch das durch sie fallende Licht bunte Muster auf den steinernden, kahlen Boden werfen. Über dem Altar wird sich das größte dieser Fenster befinden. Im Gegensatz zu den sonst immer spitz zulaufenden Fensterbögen wird dieses rund sein."

"Sie alle werden zusammen eine Geschichte in Bildern erzählen. Von dem Entstehen der Welt, die Schöpfung durch Gottes Hand in sieben Tagen. Die Erschaffung des Menschen, aus Lehm geformt, das Paradies, was ihnen zu eigen war, der erste Sündenfall... Ihre beiden Kinder, Kain und Abel. Kain, der Abel erschlug, gezeichnet wurde und in das Lande jenseits des Morgens geschickt wurde. Wie sich alles wiederholt, wie alles Teil des anderen ist"

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