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Cathedral
of Saint John the Divine „Es sind immer die ersten Schritte, die den Eindruck prägen. Vielleicht ist es Neugier, die einen Kainiten an einen Ort wie diesen bringt. Vielleicht auch eine Art von schwarzem Humor. Eine Kirche. Gleich, ob man im sterblichen Leben an einen Gott, gleich ob es der christliche war oder ein anderer, glaubte oder ob man sich bewußt distanzierte, vielleicht auch nur einfach nicht in der Lage war zu glauben, im Tode kommt man doch nicht umhin sich Gedanken zu machen. Kainskinder. Vielleicht mag man darüber nicht nachdenken, vielleicht will man es auch nicht. Aber dennoch... gewissen Gedanken kann man sich gerade beim Anblick einer Kirche nicht entziehen. Was also denkt und fühlt man, wenn man diese Kirche betritt...?"
Die
Kirche ist leider immer noch nicht vollkommen fertig gestellt.
Sie stellt bisher die drittgrößte Kirche der Welt dar, dabei
ist das Ziel, was ihr gesteckt worden ist, die Größte der
Welt zu sein, wenn sie einmal fertig gestellt worden ist.
Immer wieder ruht die Arbeit hier für Jahre bis Jahrzehnte.
Der Grund hierfür ist so profan und einfach, es ist das Geld,
das immer wieder fehlt. Selbst nur das Instandhalten solch
eines Gebäudes verschlingt Unsummen und die Erweiterungen
scheinen kaum finanzierbar zu sein. Zuletzt waren die
Bauarbeiten im Jahre 1999 eingestellt worden und ruhten für
fast drei Jahrzehnte. Erst dann fanden sich Geschäftsleute
und auch einige anonyme Spender, die in einer gemeinsamen
Aktion dafür gesorgt hatten, dass die Arbeiten wieder weiter
geführt werden konnten. Ein Teil der Gelder wurde nicht
sofort in diese Baustelle gesteckt, sondern längerfristig
angelegt und verwaltet. So lobenswert es für den Glauben auch
sein mag voller Idealismus sich den Bau der größten Kirche
der Welt zu setzen, der Weg dahin ist sehr lang und ohne eine
Spur von gesundem Menschenverstand und Pragmatismus nicht
einmal im Ansatz durchführbar
Der
heilige Grund jenseits des Glaubens… So schön
war der Schein nach außen hin. Soviele Menschen, die ihre
Energien und ihr Geld diesem hehren Ziel, dem Kirchenbau, zu
opfern bereit waren. Dabei lagen die waren Gründe für den
Weitergang der Bauarbeiten weit jenseits dieser äußerlichen
und sterblichen Fassade. Im Vergleich mit einigen Wesen in
dieser Stadt war die Kirche alles andere als alt und eben an
diesen lag es auch, daß solch ein Vorhaben wieder durchführbar
wurde. Vielleicht auch einfach nur weitergeführt, denn die früheren
Katastrophen und das Chaos waren wieder gerichtet worden und
es gab keinen Grund mehr dieses eine Objekt weiterhin zu
vernachlässigen.
Der Eintritt… „Es
ist ein großes Tor, bestehend aus einer Flügeltür aus zwei
Teilen, vor dem man zum Halten kommt. Das Holz ist dunkel, es
wirkt schon fast schwarz und bildet dadurch einen starken
Kontrast zu dem Stein um einen herum. Vielleicht mag dieser in
den kommenden Jahrhunderten ebenfalls sich verdunkeln und so
den Kontrast mäßigen, aber noch ist diese Kirche jung an
Jahren. Doch das Holz dieses Tores scheint wesentlich älter
zu sein. Schnitzereien überziehen sie auf der gesamten Fläche
und erzählen von tragischen und finsteren, von rettenden und
wundersamen Momenten, die sich sonst in Wort und Schrift gefaßt
der Bibel entnehmen lassen. Es mag einem aufmerksamen
Betrachter, der sich in dem Buch der Bücher auskennt, bei
sorgsamer Betrachtung auffallen, daß hier jedoch nur
scheinbar eben dieses wiedergegeben wird. Vielmehr waren all
die Aspekte hier dargestellt worden, die niemals in einem Buch
für Sterbliche zu finden sein würden. Ein wenig von der
Wahrheit, könnte man sagen. Doch im Grunde ändert jeder die
Geschichte nach seiner Sicht und seinem Gutdünken. Auch die
Unsterblichen taten es.“ Tritt ein…. Besonders
wird der Zauber an diesem Ort aber immer zu bestimmten Nächten
sein, wenn der Mond voll am Himmel steht. So daß sein Licht
durch die Fenster zu scheinen vermag. Ein kühles, bläuliches
Licht, so anders als das der Sonne. Dennoch wird es die Bilder
in den Fenstern zum Leben erwecken. Mosaike aus buntem Glas,
die durch das durch sie fallende Licht bunte Muster auf den
steinernden, kahlen Boden werfen. Über dem Altar wird sich
das größte dieser Fenster befinden. Im Gegensatz zu den
sonst immer spitz zulaufenden Fensterbögen wird dieses rund
sein." "Sie
alle werden zusammen eine Geschichte in Bildern erzählen. Von
dem Entstehen der Welt, die Schöpfung durch Gottes Hand in
sieben Tagen. Die Erschaffung des Menschen, aus Lehm geformt,
das Paradies, was ihnen zu eigen war, der erste Sündenfall...
Ihre beiden Kinder, Kain und Abel. Kain, der Abel erschlug,
gezeichnet wurde und in das Lande jenseits des Morgens
geschickt wurde. Wie sich alles wiederholt, wie alles Teil des
anderen ist" |